Tomaten

Fruchtgemüse · frostempfindlich · Schwierigkeit mittel

Tomaten (Solanum lycopersicum)
Foto: Luigi Chiesa, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert

Steckbrief

Solanum lycopersicum · Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Tomaten sind die Klassiker im Gemüsegarten, brauchen aber Wärme und einen Platz ohne Dauernässe auf den Blättern. Vorgezogen wird Tomaten im Mittel vom 15.–29. Mär. Ins Freie gepflanzt wird erst 10.–24. Mai. Geerntet werden kann 28. Jun – 4. Okt.

Standort
vollsonnig, regengeschützt
Pflanzabstand
50 x 60 cm
Wuchshöhe
40 cm (Buschtomaten) bis 2 m
Frost
empfindlich
Nährstoffbedarf
Starkzehrer
Boden mindestens
12 °C

Gießen

Gleichmäßig und reichlich, morgens direkt an den Fuß der Pflanze, nie über die Blätter.

Mehr über Tomaten bei Wikipedia

Das Jahr im Mittel für Deutschland

Die Balken zeigen, in welchem Zeitraum du damit anfängst. Nach dem Vorziehen wachsen die Jungpflanzen einige Wochen drinnen (gestrichelt), bis sie ins Beet kommen.

Vorziehen (drinnen)15.–29. Mär
Auspflanzen10.–24. Mai
Ernte28. Jun – 4. Okt
  • Jungpflanze wächst drinnen
  • Deutschland-Schnitt
  • letzter Frost, 19. Apr
  • letzter Frost in 8 von 10 Jahren
  • erster Herbstfrost, 1. Nov
  • heute

Ohne Ort gilt ein mittlerer letzter Frost um den 19. Apr. Je nach Ort geht es zwischen 29. Apr und 20. Mai ins Beet. Die Höhe deines Ortes ist eingerechnet; in Tälern und Mulden, in denen sich kalte Luft sammelt, kann es 1 bis 2 Wochen später sein.

Pflege, Dünger und Ertrag

Pflege

  • Die unteren Blätter bis etwa 30 cm Höhe entfernen, dann trocknen die Pflanzen schneller ab und die Braunfäule hat es schwerer.
  • Den Boden mit Rasenschnitt oder Stroh mulchen, das hält ihn feucht und verhindert Spritzwasser auf den Blättern.
  • Stabtomaten beim Wachsen alle ein bis zwei Wochen weiter am Stab oder an der Schnur festbinden.
  • Ab Ende August die Spitze kappen, dann steckt die Pflanze ihre Kraft in die vorhandenen Früchte.

Düngen

Bio: Beim Pflanzen etwa 3 bis 5 Liter reifen Kompost und etwa 80 g Hornspäne je m² einarbeiten. Ab dem Fruchtansatz alle zwei Wochen mit Brennnessel- oder Beinwelljauche (1 zu 10 verdünnt) nachdüngen.

Konventionell: Einen Tomatendünger mit viel Kalium nach Packungsangabe verwenden, grob etwa 60 bis 80 g je m² über die Saison. Die Menge auf mehrere Gaben von Juni bis August verteilen und immer auf feuchte Erde geben.

Mehr und besser ernten

  • Stabtomaten eintriebig ziehen, dann werden die Früchte größer und reifen früher.
  • Reife Früchte laufend ernten, dann bleibt Kraft für die nächsten Rispen.
  • Ein Regendach bringt oft mehr als jede Düngung, weil gesunde Blätter länger Früchte versorgen.

Schädlinge und Krankheiten

Empfindlich gegen

Ungleichmäßiges Gießen
Wechseln trockene und nasse Tage, platzen reife Früchte auf und an unreifen entstehen braune, eingesunkene Stellen an der Unterseite (Blütenendfäule). Regelmäßig und durchdringend gießen und den Boden mulchen hilft dagegen.
Nässe auf den Blättern
Regen und Gießwasser auf dem Laub machen den Weg frei für Pilzkrankheiten. Nur an den Fuß gießen und die Pflanzen möglichst unter ein Dach stellen.
Kälte unter etwa 10 °C
Kühle Nächte bremsen das Wachstum, Blüten fallen ab und die Blätter färben sich oft violett. Erst nach den Eisheiligen auspflanzen und bei Kälte nachts mit Vlies abdecken.

Häufige Schädlinge und Krankheiten

  • Kraut- und BraunfäuleKrankheit

    Die größte Gefahr für Tomaten im Freiland, oft ab Juli nach ein paar nassen Tagen. Befallen werden zuerst die unteren Blätter, dann Stängel und grüne Früchte. Ein Regendach hilft hier mehr als jede andere Maßnahme.

    Erkennen, vorbeugen, bekämpfen

    Erkennen: Graugrüne, später braune Flecken auf den Blättern, bei feuchtem Wetter mit weißem Belag auf der Unterseite. Die Stängel werden braun, die Pflanze stirbt von unten ab. Tomaten bekommen harte, braune, eingesunkene Stellen, Kartoffelknollen braune Faulstellen.

    Wann: Ab Juni, vor allem nach mehreren nassen Tagen über 15 °C

    Vorbeugen

    • Blätter trocken halten: Tomaten unter ein Dach oder in ein Gewächshaus stellen, nur an den Fuß gießen.
    • Weit genug pflanzen und die unteren Blätter entfernen, damit die Pflanzen schnell abtrocknen.
    • Tomaten und Kartoffeln nicht nebeneinander anbauen, der Erreger springt von einer auf die andere.
    • Robuste Sorten wählen, bei Tomaten gibt es inzwischen gut widerstandsfähige.

    Wenn der Befall schon da ist

    • Befallene Blätter sofort abschneiden und in den Hausmüll geben, nicht auf den Kompost.
    • Bei Kartoffeln das befallene Kraut abschneiden und die Knollen noch zwei Wochen im Boden ausreifen lassen, dann ernten.
    • Mittel mit Kupfer sind auch im Bio-Anbau zugelassen, aber nur in begrenzter Menge, und wirken nur vorbeugend. Schachtelhalmbrühe stärkt die Blätter.

    Konventionell: Zugelassene Fungizide für den Haus- und Kleingarten wirken nur, wenn sie vor oder ganz am Anfang des Befalls gespritzt werden. Ein Regendach bringt bei Tomaten mehr.

  • BlattläuseSchädling

    Sitzen meist an den Triebspitzen und an jungen Blütenständen. An kräftigen Pflanzen bleibt der Schaden meist klein, wenn die Kolonien früh entfernt werden.

    Schützende Nachbarn

    Erkennen, vorbeugen, bekämpfen

    Erkennen: Grüne, schwarze, graue oder mehlig bepuderte Läuse, 1 bis 3 mm groß, dicht an dicht an jungen Trieben, Knospen und unter den Blättern. Die Blätter kräuseln sich, sind klebrig vom Honigtau, und oft laufen Ameisen hin und her. Auf dem Honigtau wächst später schwarzer Rußtau.

    Wann: Mai bis Juli am stärksten, bei warmem, trockenem Wetter

    Vorbeugen

    • Nicht zu viel Stickstoff düngen: weiche, schnell wachsende Triebe ziehen Läuse an.
    • Blühende Pflanzen wie Dill, Ringelblume und Kapuzinerkresse ins Beet holen, dann kommen Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen.
    • Die Pflanzen ab Mai jede Woche kurz an Triebspitzen und Blattunterseiten ansehen. Kleine Kolonien sind schnell weg.

    Wenn der Befall schon da ist

    • Einzelne Kolonien abstreifen, befallene Triebspitzen abknipsen oder die Läuse mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen.
    • Ein paar Tage abwarten: Wo Nützlinge schon da sind, brechen die Kolonien oft von selbst zusammen.
    • Bei starkem Befall zugelassene Mittel auf Basis von Kaliseife oder Rapsöl spritzen, sie wirken nur bei direktem Treffer und schonen die meisten Nützlinge.
    • Brennnesselauszug (etwa 1 kg frische Brennnesseln auf 10 l Wasser, 12 bis 24 Stunden ziehen lassen, unverdünnt spritzen) schwächt die Läuse.

    Konventionell: Gegen saugende Insekten gibt es zugelassene Mittel mit synthetischen Wirkstoffen für den Haus- und Kleingarten. Sie treffen auch Marienkäfer- und Schwebfliegenlarven, deshalb nur bei starkem Befall und nicht in offene Blüten spritzen.

    Natürliche Gegenspieler: Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer, Blumenwanzen

  • Weiße FliegeSchädling

    Vor allem ein Problem im Gewächshaus und unter dem Tomatendach, im offenen Beet seltener. Beim Kauf von Jungpflanzen die Blattunterseiten ansehen, dort sitzen oft schon Larven.

    Schützende Nachbarn

    • Basilikum (der Duft soll die Weiße Fliege fernhalten, ersetzt aber keine Kontrolle)
    Erkennen, vorbeugen, bekämpfen

    Erkennen: Beim Berühren der Pflanze fliegen Wolken winziger weißer Insekten auf. Auf den Blattunterseiten sitzen flache, hellgrüne Larven. Die Blätter kleben und werden von Rußtau schwarz.

    Wann: Im Gewächshaus das ganze Jahr, im Freien Juli bis Oktober, an Kohl bis in den Winter

    Vorbeugen

    • Jungpflanzen vor dem Kauf auf Blattunterseiten prüfen.
    • Im Gewächshaus früh Gelbtafeln aufhängen, dann fällt der erste Befall auf.
    • Kohl mit Kulturschutznetz abdecken.

    Wenn der Befall schon da ist

    • Gelbtafeln fangen die erwachsenen Fliegen.
    • Im Gewächshaus Schlupfwespen (Encarsia formosa) aussetzen, sie parasitieren die Larven.
    • Zugelassene Mittel mit Rapsöl, Kaliseife oder Neem auf die Blattunterseiten spritzen.

    Konventionell: Es gibt zugelassene Mittel gegen saugende Insekten. Die Weiße Fliege wird schnell unempfindlich, im Gewächshaus sind Schlupfwespen oft wirksamer.

    Natürliche Gegenspieler: Schlupfwespen, Florfliegen, Marienkäfer

Im Haus- und Kleingarten nur Mittel verwenden, die dafür zugelassen sind, und die Gebrauchsanleitung beachten. Welche gerade zugelassen sind, steht im Verzeichnis des BVL.

Nützlinge, die Tomaten anlockt

  • Hummeln

    Tomatenblüten geben ihren Pollen erst frei, wenn sie geschüttelt werden. Hummeln vibrieren an der Blüte, dadurch setzen mehr Früchte an, vor allem im Gewächshaus.

    Bestäuben schon bei kühlem Wetter und schütteln den Pollen aus Tomatenblüten.

Tipps zum Anbau

  1. Vorgezogene Jungpflanzen erst nach den Eisheiligen ins Freie setzen und nachts bei Frost mit Vlies schützen.
  2. Tief pflanzen: Der Stängel bildet zusätzliche Wurzeln, wenn er bis zu den ersten Blättern in der Erde steht.
  3. Regelmäßig ausgeizen und gleichmäßig gießen, damit die Früchte nicht aufplatzen.

Sorten und häufige Fehler

Sorten und Saatgut

Philovita F1
Cocktailtomate, die der Kraut- und Braunfäule sehr lange standhält und sich auch ohne Dach im Freiland bewährt.
Primabella
Samenfeste Cocktailtomate für das Freiland, die wenig unter der Braunfäule leidet.
Phantasia F1
Mittelgroße Salattomate mit guter Widerstandskraft gegen Kraut- und Braunfäule.
Balkonstar
Kompakte Buschtomate für Topf und Balkonkasten, die nicht ausgegeizt werden muss.

Beispiele, keine Werbung. Die Sorten gibt es bei vielen Saatgut- und Pflanzenhändlern.

Häufige Fehler

  • Zu früh aussäen: Im Februar gezogene Pflanzen werden am Fenster lang und dünn, weil das Licht fehlt. Besser erst ab Mitte März säen und die Sämlinge so hell wie möglich stellen.
  • Buschtomaten ausgeizen: Bei Busch- und Balkontomaten sitzen viele Früchte an den Seitentrieben. Nur Stabtomaten ausgeizen, Buschtomaten einfach wachsen lassen.
  • Tomaten jedes Jahr an dieselbe Stelle setzen: Krankheitserreger reichern sich im Boden an. Den Platz wechseln und im Kübel jedes Jahr frische Erde nehmen.
  • Grüne Früchte im Herbst zu lange hängen lassen: Kalte Nächte und die Braunfäule verderben sie. Vor dem ersten Frost alle ausgewachsenen Früchte ernten und drinnen nachreifen lassen.

Häufige Fragen zu Tomaten

Warum werden meine Tomaten nicht rot?

Der rote Farbstoff bildet sich bei kühlen Nächten und bei großer Hitze über etwa 30 °C schlecht, dann bleiben die Früchte länger grün oder färben sich fleckig. Im Spätsommer liegt es meist an der Kälte. Ausgewachsene Früchte reifen auch drinnen bei Zimmertemperatur nach.

Kann man Tomatensamen aus eigenen Früchten gewinnen?

Bei samenfesten Sorten ja: Die Samen mit etwas Fruchtfleisch ein paar Tage gären lassen, abspülen und trocknen. Tomaten bestäuben sich meist selbst, deshalb bleiben die Sorten auch im Garten weitgehend echt. Aus Samen von F1-Sorten wachsen dagegen Pflanzen mit anderen Eigenschaften.

Sind grüne Tomaten giftig?

Unreife Tomaten enthalten mehr Tomatin, einen Bitterstoff ähnlich dem Solanin, als reife. In größeren Mengen roh solltest du sie deshalb nicht essen. Sorten, die auch reif grün bleiben, sind davon nicht betroffen: Sie sind reif, wenn sie auf leichten Druck nachgeben.

Wie lange dauert es von der Aussaat bis zur ersten Tomate?

Rechne mit gut drei bis vier Monaten: etwa acht Wochen Anzucht, danach sechs bis acht Wochen bis zu den ersten reifen Früchten. Frühe Cocktailtomaten sind schneller, große Fleischtomaten brauchen deutlich länger.

Quellen zu Tomaten

Diese Quellen stützen die genannten Angaben. Die Termine rechnet Saatfenster für deinen Ort um; die Quellen nennen meist Monate für ganz Deutschland.

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